Jugendzentrum papperlapapp

Seit 1992 eine Schmiede der Offenen Jugendarbeit in Bozen

Eine lange Geschichte…

Die Geschichte des Jugendzentrums papperlapapp hat ihren Beginn am 8. April 1992. Als Initiative einiger JungscharleiterInnen der Dompfarre Bozen und mit der Unterstützung des Geschäftsführers Wolfram Nothdurfter und des Präsidenten Werner Teutsch, entstand das “papperla”, wie es die Bozner liebevoll nennen. Ein Ort zum Chillen, Spielen, Sport treiben, Quatschen und allem, was Jugendlichen sonst noch so Spaß macht.

Vor allem Live-Musikkonzerte im Mehrzwecksaal des Jugendzentrums prägten das Bild der Einrichtung im Herzen Bozens. Viele Jugendliche und unzählige Bands, von denen einige lokale Bands die Proberäume des papperlapapp angemietet hatten, konnten die Bühne des papperlapapp rocken.

Die Wurzeln der Aktivitäten des Jugendzentrums sind tief: allen voran der Jugendtreff, der das Herzstück des Jugendzentrums bildet. Der Treff ist Ort der Begegnung und des Kennenlernens, eine Ideenschmiede und ein Ort zum Entspannen. Und dies sind die größten Projekte, die sich bis heute, auch dank der Unterstützung der Kooperationspartner, (weiter)entwickelt haben:

2008 wurde ein zweiter Standort gemeinsam mit der italienischsprachigen Kinder- und Jugendeinrichtung „Arci ragazzi“ gegründet: der PIPPO.food.chill.stage. 

Nicht nur durch seine aussergewöhnliche architektonische Struktur und die damit zusammenhängende Geschichte, kann der PIPPO als einzigartige Location bezeichnet werden. Die Tatsache, dass der PIPPO einer der wenigen Orte in Bozen ist, an dem noch Veranstaltungen mit Live-Musik in größerem Stil organisiert werden, macht ihn zu einem wertvollen und schützenswerten Ort. Vor allem zeichnet sich der PIPPO durch die Besonderheit aus, dass er von einer deutschsprachigen Einrichtung, dem papperlapapp und einer italienischsprachigen Einrichtung, “Arci ragazzi”, geführt wird. Dies kann als Symbol für das Einreißen der sprachlichen und kulturellen Barrieren in Südtirol betrachtet werden.

Eine der bedeutendesten Entwicklungen des Jugendzentrums in den vergangenen Jahren, ist sicherlich die Arbeitsmethode ExPEERience, die die Arbeit mit den Jugendlichen im papperlapapp revoluzioniert hat. Weg von Entertainment, leerem Freiraum und der Partizipation im klassischen Sinne – hin zu echter Verantwortung, Wachstum und Persönlichkeitsentwicklung. Dafür wurde das Jugendzentrum im Jahr 2018  mit dem zweiten Platz in der Kategorie Projekte des Internationalen Kongresses “Erleben & Lernen” in Deutschland ausgezeichnet.

Frühere Projekte

AHA

Alternative Happy Hours

AHA wurde in Österreich (Fond “Gesundes Österreich”) in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum papperlapapp durchgeführt. Das Projekt ist Dezember 2009 mit Erfolg ausgelaufen und wird in Elementen in die alltägliche Arbeit mit den Jugendlichen im Jugendzentrum integriert. Anschließend entwickelte das papperlapapp,auf Grundlage des Konzepts von AHA, das Projekt All Cool, einen interaktiven Präventionsparcours für Schulklassen zum Thema des bewussten Alkoholkonsums.

AHA zielt in seiner Konzeption auf die Entwicklung von „alternative happy hours“ ab: Party und Spaß statt Langeweile oder Volltrunkenheit. Nicht Alkoholabstinenz, sondern kritischer und reflektierter Konsum. AHA setzt auf den Dialog mit jungen Menschen, beteiligt sie an der Diskussion und bezieht ihre Kompetenzen und Erfahrungen mit ein.

Der Jugendliche selbst ist Experte, kann sich an der Entwicklung der verschiedenen Initiativen aktiv beteiligen und sich mit dem Thema Alkohol, Rausch und Risiko auf neue Art und Weise auseinandersetzen. Im Rahmen des Projektes AHA wurden zum Beispiel folgende Aktionen durchgeführt:

  • Weinverkostung, begleitet von einem Önologen
  • „Glüh mal anders“: ein etwas anderer Weihnachtsmarkt
  • Gitschncocktailbar
  • RauRiPoetry = Rausch und Risiko Poetry Slam

… und vieles mehr!

 

InterKult

Wer bin ich?
Wo fühle ich mich zu Hause?
Wie werde ich von anderen wahrgenommen?

InterKult ist ein Pilotprojekt, dass von 2008 bis 2010 vom Jugendzentrum papperlapapp in Zusammenarbeit mit dem VKE-Spielhaus im Mignone-Park organisiert wurde. Im Rahmen vieler spannender Aktionen, wurden Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren zahlreiche Möglichkeiten geboten, um den vorangegangen und vielen weiteren Fragen auf den Grund zu gehen und die Antworten darauf im gemeinsamen „Erleben“ zu finden.

Praxis
Im Rahmen des Projektes InterKult wurden mit den Jugendlichen regelmäßig Aktionen wie z.B. “Most & Falafel” oder Ausflüge organisiert, bei denen sie sich aktiv an der Vorbereitung, Entwicklung und Umsetzung des Vorhabens beteiligten. Die Aktionen entstanden vor allem durch den Einsatz der Jugendlichen, die als Experten/Innen ihrer Lebenswelt betrachtet werden. Außerdem arbeiteten die Jugendlichen in Kleingruppen, in denen sie dazu angeregt wurden, über ihre kulturelle, soziale und ethnische Identität zu reflektieren. Diese Treffen fanden in Form moderierter Diskussionen statt, in denen die Teilnehmer ihre Meinungen, Einstellungen und Wertehaltungen einbrachten.

Forschung
Die Aktionen des Projektes InterKult wurden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Zu Beginn (Sommer 2009) und am Ende (Sommer 2010) der praktischen Phase des Projektes wurden unter Anleitung von Manfred Zentner vom Institut für Jugend-kulturforschung Wien, verschiedene Focus Groups durchgeführt. Deutschsprachige und italienischsprachige Südtiroler Jugendliche, sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund, als auch JugendarbeiterInnen aus einigen Jugendzentren Südtirols wurden im Rahmen der Focus Groups des Projektes InterKult befragt. Themen waren dabei Interkulturalität unter Jugendlichen und interkulturelle Jugendarbeit in Südtirol befragt. Diese interessanten Ergebnisse der Befragung sind in der Dokumentation “no strano” zu lesen, die im Jahr 2012 publiziert wurde.

Dokumentation „No strano“
Das Jugendzentrum papperlapapp hat es sich zum Auftrag gemacht, einen Beitrag zu diesem, zur damaligen Zeit vielfach diskutierten Arbeitsfeld der Interkulturellen Offenen Jugendarbeit zu leisten. Daraus ist das Buch “no strano”entstanden. Aus den gesammelten praktischen Erfahrungen und den Ergebnissen der Forschungsarbeit von InterKult, ist die zweisprachig erschienene Dokumentation “no strano” verfasst worden. Dabei arbeitete das Jugendzentrum papperlapapp in der Redaktionsarbeit mit dem Landesjugendbeirat von Südtirol zusammen. Das Buch “no strano” möchte JugendarbeiterInnen im Speziellen und ArbeiterInnen anderer pädagogischer Arbeitsfelder im Allgemeinen, Einblick in das Pilotprojekt InterKult geben. Darüberhinaus werden weitere Projekte vorgestellt, welche in der aktuellen Landschaft interkultureller Jugendarbeit in Südtirol beispielhaft waren. Zudem wird der Begriff der Kultur, der Identität und der Interkulturalität Jugendlicher kontrovers diskutiert.

Das Fachbuch ist beim Reatia-Verlag erschienen und im Buchhandel, online über die bekanntesten Buchversand-Konzerne, beim Verlag oder direkt im Jugendzentrum papperlapapp erhältlich.

“no strano”
Jugendzentrum papperlapapp (Hrsg.)
Raetia-Verlag
ISBN 978-88-7283-431-2
Euro [D/A/CH] 15,90; [I] 14,90

Hoi Du

Sprachförderung im Jugendtreff – Deutsch mal anders

Das Projekt “Hoi Du” wurde von 2011-2013 durchgeführt.

Der Jugendtreff des papperlapapp war schon in den Jahren 2008-2010 nicht selten erste Anlaufstelle für Jugendliche mit Migrationshintergrund, die gerade in Bozen eingetroffen waren. Häufig standen sie vor der Herausforderung, sich in wenigen Wochen nach ihrer Ankunft auf ein, ihnen vollkommen unbekanntes, Umfeld einstellen zu müssen. Auch jene Jugendlichen fanden den Weg in den Jugendtreff, die schon länger in Bozen ansässig waren und ihre Herkunftskultur in anderen Ländern hatten. Sie alle verbanden ähnliche Fragen: An wen kann ich mich wenden, wenn ich ärztliche Versorgung benötige? Wo kann ich nach Arbeit suchen? Wer und wie sind “Südtiroler”?

Um all diesen, für die Integration wichtigen Fragen nachgehen zu können, war das Beherrschen der deutschen Sprache eine Grundvoraussetzung für junge Migrant_innen. So kamen in jenen Jahren immer häufiger Jugendliche auf die Jugendarbeiter_innen und die Direktion zu, mit der Bitte, sie beim Erwerb der Deutschen Sprache zu unterstützen. Geldnot und die Scheu vor institutionellen Angeboten von Sprachschulen u.Ä. stehen den jungen Menschen nicht selten im Weg…

… so wurde im Jahr 2011 ein Angebot geschaffen, das auf den Bedarf der Treffbesucher_innen einging. Hoi du! verstand sich nicht als Kursangebot, sondern als Hinführung oder Ergänzung zu einem Sprachkurs. Die Treffen waren frei zugänglich für alle Treffbesucher_innen, ohne Anmeldung und Teilnahmezwang, gratis. Der Diplom-Sozialpädagoge und Jugendarbeiter des Jugendzentrums papperlapapp, Uli Seebacher, leitete das Projekt. Im Vordergrund stand das Ziel, auf spielerische Art und Weise die Grundregeln der Deutschen Sprache zu erlernen. Die fortlaufende Interaktion zwischen den Teilnehmer_innen und dem Jugendarbeiter, erleichterte das Sprechen und Verstehen und gab den jungen Menschen praktische Hilfestellungen in Alltagssituationen: Einkaufen, Informationen erfragen, Arbeitsangebote lesen u.Ä. Zusätzlich zu den Treffen wurden Aktionen durchgeführt, die auch andere Treffbesucher_innen miteinbezogen. Calcetto und Einkaufen auf Deutsch – wieso nicht?

Das Jugendzentrum papperlapapp kooperierte bei diesem Projekt mit der Sprachschule Alphabeta Piccadilly, welche bis 2012 durch die Deutschlehrerin Priska De Marco vertreten wurde.

  • Erwerb der Grundlagen der Deutschen Sprache
  • Förderung Interkultureller Kompetenzen (Integration)
  • Förderung und Stimulierung des Selbstbewusstseins
  • Förderung von sozialem Lernen in der Gruppe

Den Jugendlichen im Jugendtreff konnten über Hoi Du wichtige Hilfestellungen (bis zur Hinführung zum Zweisprachigkeitsnachweis) gegeben werden. Auf diesem Wege konnte das pädagogische Team des Jugendzentrums zahlreiche, wichtige Erfahrungen sammeln, die in die fortlaufende Arbeit im Jugendtreff einflossen. Das Projekt lief mit Dezember 2013 aus.

Girls Power

MÄDCHEN … Aktiv * Reflexiv * Emanzipiert

Seit dem Jahr 2000 investiert das Jugendzentrum papperlapapp in die Kompetenzaneignung und Angebote im Rahmen der Gender-Arbeit für Mädchen zwischen 11 und 20 Jahren. Im Jahr 2004 ist dann, auch dank der Unterstützung der Stadt Bozen und der Autonomen Provinz Bozen, das Projekt Girls Power entstanden. In Zusammenarbeit mit verschiedenen anderen Jugendzentren Südtirols (allen voran mit dem italienischsprachigen Jugendzentrum Vintola18) und dem Jugenddienst Bozen, wurden Aktivitäten mit einem weitreichenden Spektrum entworfen und durchgeführt.

Pädagogisches Konzept
Girls Power gab jungen Mädchen die Möglichkeit, ihre eigene Weiblichkeit über verschiedene Elemente kennenzulernen, zu erweitern und Wege der Selbstverwirklichung zu erschließen. In diesem Prozess wurden sie von erfahrenen, pädagogischen Facharbeiterinnen begleitet, die als weibliche Bezugspersonen für Rat und Tat zur Seite stehen.

Die Grundpfeiler des pädagogischen Angebotes waren:

  • Freizeit- und Kulturarbeit in Form von Kursen und Aktionen
  • Individuelle Beratung in Form von Gesprächen
  • Camps inmitten der Natur mit Methoden der Natur-, Erlebnis- und Kunstpädagogik

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Weiblichkeit geschah nicht nur über informelle Treffen der Mädchen, sondern vor allem über Kurse und Aktionen zu bestimmten Themen (wie z.Bsp. Körperwahrnehmung, Frau und Gesellschaft, Berufsfindung, Liebe Sexualität u.Ä.).

Praxis

Kurse
Immer wieder wurden verschiedene Kurse für Mädchen angeboten, wie zum Beispiel Kurse in den Bereichen Tanz Körperwahrnehmung, Yoga und Nähen, die sehr großen Anklang fanden.

Aktionen
Neben den Kursen wurden bei Nachfrage auch Aktionen zu verschiedenen Themen angeboten, wie zum Beispiel Maniküre, Törggelen, eine Zyklus-Show oder eine Nacht im Jugendzentrum.

Camps
Die Natur mit allen Sinnen erleben, typisch Mädchen sein, aber auch Dinge anpacken, die eher Jungs machen, Verantwortung in der Gruppe übernehmen, Spaß haben und vom üblichen Alltagsstress Abstand nehmen… dies alles und weitere tolle Angebote waren und sind Teil der Camps für Mädchen, die das Jugendzentrum papperlapapp heute noch regelmäßig organisiert.

 

Die Angebote für Mädchen sind umgestaltet und in das Konzept ExPEERience, sowie in die Camps integriert worden. Die Erfahrungen und Kompetenzen, die im Laufe der Jahre mit Girls Power von Seiten des Teams gesammelt wurden, sind in die darauf folgende Genderarbeit des Jugendzentrums eingeflossen.

Boys Power

Boys Power…Boys! Be heroes

Wenn Jungs entdecken, dass sie Helden sind…

Das Jugendzentrum papperlapapp legt seit vielen Jahren großen Wert auf die geschlechtsspezifische Arbeit und daher auch auf die Arbeit mit Buben. Dieser Teil der Jugendarbeit ist in ständiger Entwicklung und neben den Aktivitäten, die nur an Jungs gerichtet sind, gibt es auch Momente des gemeinsamen Erlebens von Jungen und Mädchen, in denen die Jugendarbeit achtsam mit Aspekten der Genderarbeit umgehen.

Being Connected
Being connected – die Suche nach und der Genuss von Kommunikation und Anbindung. Im papperlapapp konnten die Jungs ihre Ideen, Visionen und Interessen umsetzen. Ein Jugendarbeiter nahm ihre Vorschläge auf oder gab Impulse für neue Projekte und begleitete die Jungen in der Umsetzung. Interkulturelle Abendessen, Grillfeiern, Sportturniere und Vieles mehr wurde mit den Kids umgesetzt.

Über die o.g. Aktivitäten hinaus, bestand die geschlechtsspezifische Arbeit mit Jungen, primär im Alter von 11 bis 20 Jahren, u.A. in dem Angebot aktiven Zuhörens und der Beratung. Die Jugendarbeiter boten sich den Buben als Gesprächspartner auf gleicher Augenhöhe an. Über das in Kontakt treten, ermöglichten sie es den Jugendlichen, eine Beziehung aufzubauen und zu leben, die auf Werten wie gegenseitigem Vertrauen und Respekt basiert.

Boys Camp
Die Natur mit allen Sinnen erleben, sich auf dem Grad zwischen Junge und jungem Mann ausbalancieren, Verantwortung in der Gruppe übernehmen, einen riesen Spaß haben und vom üblichen Alltagsstress abschalten… diese und weitere Aktivitäten wurden und werden heute noch in dem Camp für Jungs angeboten. Dieses wird seit 2016 vom Jugendzentrum papperlapapp mit dem Jugendzentrum Bunker organisiert.

Do it yourself
Frei nach dem Motto “Do it yourself”, konnten Jungs im Jugendtreff unter Anleitung eines Jugendarbeiters selbst Hand anlegen. Zur Auswahl stand alles, was mit eigenen Händen gebaut und in den Jugendtreff integriert werden konnte: Gemüsegärten, Spiele, Tische und Vieles mehr.

Jungen und Handwerk scheinen auf den ersten Blick geschichtlich und gesamtgesellschaftlich eng miteinander verknüpft zu sein. Doch in der Realität kann diese Verknüpfung auch schnell zu Druck und Belastung bei Jungen führen. “Ich würde gerne mit Metall, Holz usw. arbeiten, aber ich weiß nicht wie!”… Das Erlernen einfacher Handgriffe und das Erleben mit Gleichaltrigen und dem Jugendarbeiter, können den Jungen eine gute Unterstützung sein und neue, persönliche Ressourcen entstehen lassen. Im Rahmen der Co-edukativen Erziehung können sich je nach Interesse der Mädchen, auch gemischtgeschlechtliche Gruppen bilden. Dies bildet einen guten Nährboden, um in der Sozialisierung verfestigte Stereotype bei den jungen Menschen aufzubrechen und den Weg für neue Bezugsmodelle- und Erfahrungen zu ebnen.

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